Wie die Digitalisierung die Bar-Welt verändert

Spätestens wenn aus dem Bartender ein Smartender wird und das freundliche Gesicht hinter der Theke verschwindet, heißt es für den Gast „Do it yourself“, will er nicht ohne Getränk am verwaisten Tresen stehen.

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Wie die Digitalisierung die Bar-Welt verändert Tithi Luadthong/shutterstock.com

Konzept Smarte Bar

Auch wenn hier deutlich Zukunftsmusik erklingt, die gastronomischen Dirigenten noch abwinken – die Digitalisierung wird vor dem Bartresen nicht zum Stehen kommen. Doch bevor sich die geliebte Theke in einen Rollkoffer packen lässt, ist noch etwas Feintuning notwendig. Es gibt bereits ein paar interessante Ansätze – es gilt, sie im Auge zu behalten und im richtigen Moment einzusteigen.

Die Getränke fahren Achterbahn

Wenn der Gast über die digitale Speise- und Getränkekarte bestellt, dauert es nicht lange, bis Ess- und Trinkbares über blinkende Rollenbahnen, Loopings und Steilkurven saust. Am Tisch des Bestellers bremst die Anlage und die Bestellung kann entnommen werden. Ob Nudelgericht und Schnitzel von der rasanten Fahrt ein Schleudertrauma haben oder emotional unterkühlt ankommen – auf alle Fälle geht es auf der Achterbahn bunt und lebendig zu. James Bond dürfte sich freuen über so viel Power – sein Drink kommt garantiert nicht gerührt, sondern geschüttelt auf die Theke. Wie das mit dem kühlen Bierchen aussieht, ob es dem Durstigen freudig entgegenschwappt oder unterkühlt in der Flasche verharrt – es ist einen Versuch wert. Restaurants mit Rummelplatz-Atmosphäre gibt es u. a. in Hamburg, Dresden, Dubai und Sotschi. Die Kombination aus Fast-Food-Restaurant und Erlebnisgastronomie unter dem Namen Rollercoasterrestaurants® ist wohl ein Fingerzeig in die Zukunft, aber bis dem Gast flächendeckend Speisen und Getränke um die Ohren gefahren werden, wird noch etwas Zeit vergehen.

Smartender – die rollende Bar mit Touch Screen und Cocktail-Dispenser

Aus den USA kommt die Erlebnisbar, die zwar nicht ganz in einen Rollkoffer passt, aber so ähnlich aufgebaut ist. Nur das Eis muss per Hand ins Glas gefüllt werden, den Rest macht der „Smartender“. Über ein Touchscreen wählt man seinen Lieblingsdrink oder mixt sich ein Getränk nach eigenen Vorstellungen, dann fließen aus verschiedenen Düsen die Zutaten in der richtigen Dosis ins Glas. Im „Bauch“ des Systems warten die einzelnen Flaschen wohltemperiert auf ihren Einsatz und melden an den Betreiber, wenn ihr Inhalt zur Neige geht. Einfach, aber effektiv. Ob rollende Systeme wie der Smartender der Hit der Zukunft sein werden? Es wird darauf ankommen, wie man so ein System in die Bar integriert – möglicherweise kann er mit einem Service-Menschen im passenden Ambiente gut zusammenarbeiten.

Das digitalisierte Glas

Ob der Glashersteller Rastal mit seinem patentierten “Smartglass” bereits den Stein der Weisen erfunden hat? Ein Ausrufezeichen für die digitale Thekenzukunft ist das magische Glas auf alle Fälle. Im Ring, der unten auf das Glas appliziert wird, versteckt sich ein Chip mit einer weltweit einzigartigen Identifikationsnummer. Der Gast scannt seine Bestellung auf der Getränkekarte, das Personal hinter der Bar empfängt die Signale, arbeitet die Bestellung ab und platziert das Glas auf der „Smartbar“. Der Code wird erfasst und sendet Daten in die „Cloud der Dinge“ bei der Telekom. Damit eröffnen sich für Barbetreiber wie für Getränkeproduzenten ganz neue Möglichkeiten: Erfassung von Tops und Flops, jahreszeitlichen Stimmungsschwankungen, Ausschankmengen und Lagerbeständen – alles kann in Echtzeit verfolgt werden.

Der digitale Gast

Praktisch und spülmaschinenfest steht das magische Glas der Firma Rastal auf der „smarten“ Theke. Gast, Gastronom und Getränkehersteller kuscheln in der Telekom-Cloud – jeder zu seinem Vorteil: der Barbesucher hat nie ein leeres Glas, der Gastronom kennt die Wünsche seiner Kunden und der Getränkehersteller legt Produktions- und Lagerschwerpunkt darauf, was Umsatz bringt.

Ob sie so aussehen wird, die schöne neue Thekenwelt? Die Aussicht, besser planen und gezielter seine Bestände verwalten zu können, ist durchaus verlockend. Aber ob es gleich die pinkfarbene Wolke der Telekom sein muss?

Nun gilt es, die neuen Möglichkeiten und deren Mehrwert abzuwägen, ohne den Barbesucher zu vergraulen. Vielleicht wäre ein guter Einstieg ein „Probierset“, wo der Gast sich zu einer digitalen Bestellung vortasten kann – ohne Risiko und Nebenwirkungen? Getränke und Speisen per Touchscreen zu ordern, kann ja durchaus seinen Reiz haben. Man könnte z. B. eine Zutatenliste und sogar weiterführende Informationen über Herkunft und Produktion der einzelnen Ingredienzien, über Allergene oder Zusatzstoffe hinterlegen oder eine mehrsprachige Getränkekarte anbieten. Und ob der Gast zufrieden war – auch dies könnte er dem Bestell-Tablet anvertrauen. Möglicherweise wird er im zweiten Schritt sogar von unterwegs einen kühlen Drink bestellen können – auf der Getränkekarte, die er per App auf seinem Smartphone einsehen kann.

Fazit

Wo Funktionalität und Zeitersparnis gefragt sind, bieten sich digitale Systeme sicher eher an als in der „Wohlfühlgastronomie“, wo die Theke ein Ort ist für Genießer, die die Seele baumeln lassen, mit dem Barkeeper fachsimpeln oder ein paar kleine Sorgen im Glas schwimmen lassen möchten. Vielleicht ist gerade das der vielgepriesene Mehrwert? Der Gast wird letztendlich entscheiden, ob er ja sagt zur digitalen Theke, die aufzeichnet und auswertet, was er verkonsumiert oder ob er der gemütlichen Gastronomie mit persönlichem Service treu bleibt.

Autor: Julian Engels

“But why is the rum gone?!” Kulinarisch in der Karibik hängengeblieben.

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