Nicht mehr zu toppen!

Gastronomen, die etwas auf sich halten oder ihr Geschäft ankurbeln wollen, kommen am Topping-Trend nicht vorbei. Das gewisse Etwas „on top“ macht optisch und geschmacklich ordentlich was her und hat den Beigeschmack eines Goodies.

Photo by Yulia Khlebnikova on Unsplash

Seit Speisen erst fotografiert und gepostet werden, bevor der erste Bissen probiert wird, kommt eigentlich kein Gastronom mehr an diesem Food Trend vorbei: Toppings. Um sich im hart umkämpften Markt hervorzuheben, kann ein Produkt offenbar nur noch getoppt werden, indem etwas darüber kommt. In Zeiten von Instagram und Co. spielt Optik eine ausschlaggebende Rolle für das Marketing gastronomischer Betriebe. Abgeleitet vom englischen „on the top“ weist der Begriff ganz klar in Richtung nach oben. Wer Spontanbestellungen, Lustkäufe oder Zusatzumsätze generieren will, macht einfach einen drauf. Schließlich isst das Auge mit – wie die ganze Community.

Vorteilhafte Wirkung

Toppings kreieren also eine appetitanregende Ästhetik und machen fast jedes Essen fotogen, oder besser gesagt: „instagrammable“. Doch auch aus kulinarischer Sicht sind Toppings sinnvoll, eignen sie sich hervorragend dazu, verschiedene Geschmacksrichtungen oder Texturen zu kombinieren – beispielsweise Geschmolzenes mit Gefrorenem oder Crunchiges mit Cremigem. Manche Gastronomen gehen sogar so weit, zwei verschiedene Gerichte miteinander zu kombinieren, indem sie das eine über das andere streuen. Vermeintlich, um dem Gast die Qual der Wahl zu ersparen. In Wahrheit scheint dies mehr Marketing-Gag als Kundenservice zu sein.

 

Psychologischer Benefit

Apropos Marketing: Definitiv punkten Toppings noch mit einem psychologischen Moment. Durch sie bekommt der Gast das Gefühl, mehr für sein Geld zu bekommen. Quasi etwas „on top“ – obwohl das Gros der Toppings in der Regel extra bezahlt werden muss. Auf jeden Fall kommt dem gewissen Extra beim Anrichten von Speisen ein ganz neuer Stellenwert zu.

Grenzenlose Kreativität mit begrenztem Aufwand

Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Vorbei die Zeiten liebloser Petersilien-Deko oder abgehalfterter Croutons. Heute sind Toppings kreativ, auffällig und geschmackvoll. Und in der Regel auch einfach und schnell in der Handhabung, ohne großen zusätzlichen Aufwand für Koch oder Küchenpersonal. Sofern mit geringem Wareneinsatz verbunden, ist das wirtschaftliche Potenzial von Toppings umso attraktiver.

Süßes & Kaffee

Seinen Anfang nahm der Siegeszug der Toppings wahrscheinlich beim Eis. Anfangs noch ganz bescheiden in Form bunter Streusel oder Sahne auf der Kugel beziehungsweise Schokoglasur oder Soße über dem Softeis. Mittlerweile lässt sich fast das komplette Süßigkeiten-, beziehungsweise Obstsalatsortiment über die schnöde Eiscreme ausschütten: Smarties, Gummibärchen, Marshmallows, Kokos- oder Schokoraspeln, gehackte Nüsse, Granola, diverse Soßen und gar ganze Kekse gehören heute fast schon zum Standard.

Eine ähnlich steile Karriere haben Crêpes hinter sich. Während sich Süßmäuler früher mit Apfelmus und Zucker oder bestenfalls Nutella begnügen mussten, geht heute fast nichts mehr ohne Kinderschokoriegel oder XXL-Marschmallow.

Auch Quarkspeisen, Müsli, Smoothie Bowls oder Milchreis können kreativ und bunt getoppt werden. Ein vergleichbares Upgrading hat auch der Kaffee durchlaufen. Abgesehen von Schaumhauben aus Soja-, Hafer-, oder Mandelmilch kommen noch Karamell-, Schoko- oder Haselnuss-Sirup on top – kunstvoll verziert, versteht sich.

Herzhaftes Fresh & Fast Food

Appetit- und umsatzsteigernde Toppings finden sich aber nicht nur auf Nachspeisen, sondern auch auf den verschiedensten herzhaften Gerichten. So werden Salate, Bowls, Pasta, Ramen oder Suppen mit knusprigen Pinien-, Sonnenblumen- oder Kürbiskernen, angebratene Gemüsewürfel, Tomatenflocken, Chillifäden, geriebenem Käse, frischen Kräuter bis hin zu kompletten Blumenwiesen serviert.

Auch die Fast Food Branche ist schon früh auf den Topping-Zug aufgesprungen. Pommes Frites müssen sich heute nicht nur mit Mayonnaise oder Ketchup anfreunden, sondern werden dank cremiger Safran-Aioli oder Guacamole fast zum Gourmet-Food. Darüber hinaus landet schmelziger Käse oder Schmand in guter Gesellschaft von Schnittlauch, Frühlingszwiebeln, Chilliringen oder

Koriander on top auf den frittierten Erdäpfeln. Auch die Baked Potato profitiert von einer Fülle von Zugaben wie frisches oder angebratenes Gemüse, Fleisch, Thunfisch oder Ei. Sogar Tacos sind on top auf Kartoffeln zu haben.

„Aus zwei mach eins“

In puncto „aus zwei mach eins“ rund um die Pommes ist uns das Ausland definitiv noch voraus. So genießt man in Kanada Fritten mit Bratensauce und Käse, in den südlichen USA kommt Käse plus Chili con Carne on top und in Mexiko geschnetzeltes Schweinefleisch mit Guacamole. In Asien dagegen werden frittierte Süßkartoffeln mit eingelegte Möhrenspiralen, Spiegelei und Petersilie serviert. Dagegen wirkt der Marketing-Clou einer amerikanischen Pizzakette mit Fritten auf Pizza geradezu einfallslos. Wenn schon Fusion Kitchen, dann bitte Maischolle mit Chorizo-Topping. Aber nicht vergessen: erst fotografieren und posten, dann genießen!

Autor: Kirsten Schwieger

Sie liebt es, in der Küche zu improvisieren, was sich beim Backen allerdings manchmal übel rächt. Die Hamburgerin aus Vorsatz ist ein großer Fan der vegetarischen Küche und von Desserts mit viiiieeel Schokolade.

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