Hellbiere: Helle Freude

In Biergärten und an Stadtstränden. In Wirtshäusern und Szeneclubs. Von Füssen bis Flensburg. Überall haben sie einen Stammplatz erobert, nicht nur unter dem blau-weißen Himmel Bayerns. Keine andere Sorte ist zuletzt so sehr gewachsen wie Hellbiere. Wie auch die Auswahl. Branchenkenner wissen: Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen.

Oberdorfer Helles
Photo by Radeberger Gruppe KG

Noch vor drei, vier Jahren war schwach gehopftes Helles vornehmlich im Süden der Republik verbreitet. Das hat sich vollkommen geändert: Bayerische Biere sind auch nördlich des Weißwurst-Äquators gefragt. Vor allem in Großstädten zeigt sich der Wandel: Waren in den Berliner Spätis, an den Büdchen an Rhein und Ruhr oder den Frankfurter Wasserhäuschen vor nicht allzu langer Zeit vor allem Biere mit badischen Tannenzapfen oder nordischen Ankerherzen auf den Etiketten angesagt, werden jetzt Hellbiere geordert. Wobei bekannte Traditionsmarken aus Braukesseln der bayerischen Landeshauptstadt oder den Wittelsbachern durch bisher noch weniger bekannte, aber nicht minder wachstumsstarke Marken ersetzt werden. Wie Oberdorfer Helles, das auch ohne große Werbeaktivitäten immer mehr Freunde gewinnt. Oder Allgäuer Büble Bayrisch Hell, das trotz seiner Erfolgsgeschichte immer noch als Geheimtipp gilt.

Es ist also einiges in Bewegung geraten. Auch in der Gastronomie: Zu den vermeintlichen Platzhirschen gesellen sich junge oder wiederentdeckte Helle, die sich erfolgreich an die Fersen der „Klassiker“ geheftet haben.

Allgäuer Büble

„Durst“ nach dem Einfachen

Zu dieser Entwicklung beigetragen hat die zunehmende Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Einfachheit in unserer komplexen, schnelllebigen Zeit, die viele Gäste mit der Lebensart und Lebensfreude südlich der Mainlinie verknüpfen. Dort, wo das Bier als fünftes Element bezeichnet wird und zum Nationalgetränk, ja sogar Markenzeichen des Freistaats Bayerns in aller Welt aufstieg.

Diesen „Durst“ nach dem Ursprünglichen und Einfachen greift Helles auf, nicht allein durch seine süddeutsche Herkunft. Auch die Optik reduziert sich bewusst auf Retro-Flaschenformen wie Bügel- oder Eurogebinde.

Letztere gibt es inzwischen nicht mehr ausschließlich mit den traditionellen 0,5-Litern. Vermehrt tauchen 0,33-Liter-Flaschen auf wie bei Oberdorfer Helles. Vor allem bei jungen Gästen, die ihr Bier am liebsten direkt aus der Flasche genießen, kommt die kleine Schwester der „Bayernhalbe“ an. Wird Helles hingegen im Glas serviert, dann am besten im Willibecher, dessen Ursprung in den 1950er Jahren liegt.

Blau-weißes Lebensgefühl

Denn Helles ist eigentlich ein „alter Hut“: Anno 1894 brauten die Münchner erstmals diesen Bierstil. In Bayern wurde Helles zum dominierenden Biertypus. Jenseits der Landesgrenzen flossen jedoch andere Sorten durch die Kehlen. Das dem Hellen verwandte Exportbier aus Dortmund war in den Wirtschaftswunderjahren des Deutschen bevorzugte Sorte. Ab den 1970er Jahren rollte dann die Premium-Pilswelle über das Land.

Auch wenn heute noch jedes zweite verkaufte Bier eines nach Pilsener Brauart ist: Hellbiere gewinnen durch das mit jedem Glas, jeder Flasche verheißene Lebensgefühl aus der „guten alten Zeit“. Dabei sind sie in der Herstellung für jeden Braumeister eine der schwierigsten Sorten, damals wie heute: Ihr klarer, einfacher Charakter entlarvt jeden kleinsten Braufehler sofort.

Hochkonjunktur für Helles

Für handwerklich perfekt gebrautes Helles erwarten Branchenexperten jedoch einen weiteren Schub. Gerade zur sommerlichen Festbierzeit, selbst wenn es sich beim Hellen weder um eine Saison-Spezialität noch um ein Festbier handelt. Wenn aber auch jenseits des Weißwurst-Äquators wieder bayerische Spezialitäten-Wochen die Speisekarten ergänzen oder die eine oder andere blau-weiße Gaudi im Veranstaltungskalender steht, gehört ein passendes Bier-Angebot dazu.

Kleiner Aufwand – große Wirkung

Wer dann zur Festbierzeit ein Helles auf die Getränkekarte setzt, geht wenig Risiko ein. Die Sorte läuft, auch über die Sommermonate hinaus. Gehört Helles bereits zum Angebot, sollte es jetzt nochmals gesondert herausgestellt werden: Das kann den Umsatz gezielt ankurbeln.

Wie? Ganz einfach! Mache Vorschläge für Warenkombinationen: ein Weißwurst-Frühstück oder eine Haxe mit Knödel & ein Kraut, dazu eine Halbe Helles zu einem Paketpreis. Biete Deinen Gästen Gruppenangebote wie ein Brotzeitbrett in verschiedenen Ausführungen und Größen – je nach Umfang der Gästegruppe – mit passender Bierbegleitung. Werbe für Helles vom Fass, dass Du nur für kurze Zeit frisch anzapfst. Natürlich stilecht im Willibecher von Deinem Brauereipartner. Versäum keinesfalls, auf Dein Hellbier-Angebot aufmerksam zu machen: Schon ein einzelnes, dafür stilechtes Blechschild kann große Wirkung entfalten. Dass auch Tischaufsteller, Speisekarteneinleger und Bierdeckel nicht fehlen sollten, versteht sich.

Wer gastronomisch aktiv ist, verkauft schließlich nicht nur gute Speisen und Getränke, sondern vermarktet ein Konzept. Ein Geheimtipp zu sein, mag zwar schön sein. Aber nicht so geheim, dass es keine ausreichende Gästezahl anzieht. Die Sommer- und Festsaison bietet gute Chancen, mit einfachen Mitteln sowohl Stammgäste zu begeistern als auch neue Gäste zu gewinnen. Dann kommt beim Kassensturz sprichwörtlich helle Freude auf.

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