Der Null-Promille-Kick – Genuss ohne Alkohol

Sie heißen „Eastern Kiss“, „Blue Thyme“ oder „Rhubarb“. Was sich hinter diesen Namen versteckt, verraten wir gerne – und wie immer noch viel mehr!

Der-Null-Promille-Kick
Cabeca de Marmore/shutterstock.com

„Doooooon’ t drink and Driiiiiiive!“ tönt seit vielen Jahren der Null-Promille-Slogan aus dem amerikanischen Radiosender AFN. Klar: Wer das Auto vor der Tür stehen hat und wohlbehalten zuhause ankommen möchte, wird gerne auf einen alkoholfreien Drink setzen. Sicher gibt es auch noch ein paar andere Gründe, einen Abend ohne Alkohol zu verbringen. Aber das ist kein Grund, mehr oder weniger miesepetrig vor einer Apfelschorle zu versauern, während sich die restliche Gästerunde feine Cocktails „mit Schuss“ schmecken lässt.

Cocktails einfach entschärfen

Schließlich lässt sich so mancher Cocktail ganz einfach „entschärfen“. Selbst der Weltenbummler, Buchautor und Kult-Barkeeper Uwe Christiansen, der seit Jahren erfolgreich in Hamburg das „Christiansen’s“ betreibt, sieht Alternativen: aus dem traditionellen Caipirinha-Rezept zaubert er einen fruchtigen „Ipanema“: ebenso wohlschmeckend und erfrischend wie das Original, aber eben „ganz ohne“. Auch der „Rhubarb“ kommt aus seinem Mixer – eine exotische Mischung aus Limette, Vanille, Crushed Ice und Rhabarbersaft. Aus dem Pina Colada ohne weißen Rum macht er einen promillemäßig ganz unbefleckten Cocktail, den Virgin Colada. Auch andere Barkeeper springen auf den alkoholfreien Zug auf und servieren Fruchtiges, Erfrischendes, Exotisches oder mediterran Angehauchtes ganz ohne Alkohol, aber mit klangvollen Namen wie „White Basil“ mit Basilikumzweig, „Fresh Tonic“ mit Minze, Gurkenscheiben und Apfelsaft oder auch den „Blue Thyme“ mit Limettensaft, Vanillesirup, Ice Tea und Thymian.
Ein Entschärfer der besonderen Art ist der Seedlip. Moment mal – Spirituose ohne Prozente – eine Utopie? Nein, ein Trick, den ihm ein altes Buch über Destillation aus dem 17. Jahrhundert verriet, machte sich der Produktdesigner Ben Branson zunutze. Für den Seedlip wird eine mit Botanicals oder Holzaromen angereicherte Flüssigkeit destilliert, ohne dass vorher eine Fermentation oder Mazeration stattgefunden hat. So entsteht kein Alkohol, nur ein Destillat. Ob der Seedlip der neue Null-Promille-Star oder ein Rohrkrepierer sein wird, muss sich aber erst zeigen.

Kreativität ist gefragt

Milch, Kokosmilch oder Kefir als Filler sind in der Welt der Cocktails mit beiden Fraktionen gut Freund: sie vertragen sich mit Cognac und Cointreau ebenso wie mit allerlei fruchtigen oder orientalischen Ingredienzen. Man wird also nicht zwangsläufig zum „Milchzahn“, wenn man sich mit einer Zitronen- oder Karamellmilch anfreundet. Apropos Filler: Auch Ginger Ale hat sich als spritziger Ersatz für Sekt oder Champagner bewährt und bringt auch ein Fruchtpaket wie eine Kiwi-Bowle ohne Alkohol zum Perlen.

Einer, der sich in den letzten Jahren ganz leise in die Welt der Cocktails geschlichen hat, ist der Tee. Auch wenn der Star-Barkeeper des 18. Jahrhunderts, Jerry Thomas, Tee im Punsch nur als Ersatz für Wasser empfahl – mit grünem Tee experimentierte auch er gerne und schrieb dafür Rezepte in seinem Werk „The Bar-Tender’s Guide“ von 1862 nieder. Allerdings aromatisierte er seine Teekreationen mit reichlich hochprozentigen Zutaten.
Nun, mit dem Tee im – alkoholfreien – Drink tut sich eine ganz neue Geschmacks- und Genusswelt auf. Ob blumig, nussig oder edel-bitter, ob erdig, waldgrün oder wiesenfrisch, im Tee steckt ein ungeahntes Aroma-Potenzial. Nicht erst seit der amerikanisch-japanische Bartender Shingo Gokan die Barszene um Bambusbesen und Teeschale bereicherte, ist der Tee angekommen auf dem Tresen. Shingo Gokan war auch nicht der einzige, der mit teinhaltigen Cocktails Preise einheimsen konnte: Eyck Thormann schaffte es mit seiner Grüntee-Kräuter-Kreation „Elder Tea“ ebenso aufs Cockail-Podest wie der Erfurter Torsten Spuhn, der den Tee-Cocktail in seiner Modern Masters Bar zelebriert. Auch wenn die Sieger-Cocktails nicht promillefrei waren, ist klar, dass man mit Tee auch exzellente promillefreie Getränke zaubern kann.

Nicht gemixt, nur gebrüht ist der Eistee – aber nicht das süße Durcheinander vieler künstlicher Stoffe aus der Tüte, sondern ein richtiger Aufguss mit Wasser und einer erlesenen Teesorte. Ob man den Tee mit Zitrone, Ingwer oder etwas braunem Zucker begleitet, ist Geschmackssache – der Feinschmecker empfiehlt den halbfermentierten Oolong aus China ohne jedes „Accessoire“. Auf alle Fälle eiskalt serviert – ein echter Hit, alkohol- und nahezu kalorienfrei.
Aber auch gemixt tun sich mit Tees ganz neue Möglichkeiten auf. Ob sich die Düfte des Orients, das exotische Temperament der Karibik oder mediterrane Würze im Tee entfalten – ein kreativer Kopf kann jedem Aufguss das Optimum entlocken – wie beispielsweise der Barkeeper Michael Ehrenwirth, der sagt: „Die Aufgabe des Bartenders ist es, den Besucher abzuholen, ihn wie ein Kind an der Hand zu nehmen und in eine andere Welt zu entführen.“ Er tut dies nicht nur mit Hochprozentigem, sondern beispielsweise auch mit einem scheuen „Eastern Kiss“ aus Ingwer, Rosensirup, Zitronensaft und kaltem Grüntee.
Wer dagegen auf rauchigen Genuss setzt, findet in der Teesorte Lapsang Souchong den richtigen Partner. Er ist kein fröhlicher Exot, sondern die „dunkle Seite der Macht“: ein kräftiger Schwarztee, dessen Blätter über brennenem Fichtenholz getrocknet wurden. Sein intensives Raucharoma macht auch einen Longdrink ohne Alkohol zu einem Hit, der Lagerfeuer und wilde Natur assoziiert.

Den Gast in eine neue Genusswelt entführen – das ist nicht so schwierig wie es scheint. Während das Angebot an alkoholischen Getränken in der Gastronomie meist reichlich ist, hinkt das nicht-alkoholische Angebot hinterher. Neben Mineralwasser, koffeinhaltigen Limonaden, Fruchtsaft sowie Kaffee und Tee als Heißgetränk gibt es keine großen Überraschungen. Doch mal ehrlich … wäre es nicht an der Zeit und den Versuch wert, den Gast auf eine neue Spur zu locken? Wie wäre es mit einem erfrischenden, raffiniert präsentierten Tee-Mixgetränk oder einem „entschärften“, aber raffiniert präsentierten Cocktail-Klassiker, den auch Autofahrer ohne Reue bestellen können?

Autor: Julian Engels

“But why is the rum gone?!” Kulinarisch in der Karibik hängengeblieben.

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