Luftfilter gegen Corona-Aerosole

Und schon wieder heißt es: geduldig und optimistisch sein, um den Lockdown zu meistern. Das hatten wir uns anders vorgestellt, aber lasst uns diese herausfordernde Phase nutzen, um uns jetzt schon Gedanken für den Restart zu machen.

Und schon wieder heißt es: geduldig den Lockdown meistern. Das hatten wir uns anders vorgestellt, aber lasst uns diese herausfordernde Phase nutzen, um uns schon jetzt Gedanken für den Restart zu machen.

Bisher fehlt es an klaren Konzepten, wie die Gastronomie unter den Auflagen der Corona-Pandemie durch die kalte Jahreszeit kommen kann. Glücklich waren bisher die Gastronomiebetriebe, die über Außenflächen verfügen und in den Sommermonaten verstärkt auf Außenbewirtung setzen konnten. Gleichzeitig konnten Innenräume durch geöffnete Fenster und weit offene Türen gut belüftet werden. Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit wird das schwieriger. Luftfilter können dabei helfen.

Aerosole?

Das Problem für eine erhöhte Ansteckungsgefahr in geschlossenen Räumen ist hauptsächlich auf Aerosole zurückzuführen. Dies sind schwebende Kleinsttröpfchen bestehend aus Flüssigkeit und winzigen darin eingeschlossenen Teilchen. Wir Menschen erzeugen solche Tröpfchen beim Atmen, Sprechen, Husten oder Singen. Wissenschaftler vermuten, dass Aerosole bei der Ansteckung mit COVID-19 eine viel größere Rolle spielen als zunächst angenommen.

Für einen Eindruck, wie sich Aerosole im Restaurant verbreiten, kann man sich an die Zeit zurückerinnern, als in Restaurants noch geraucht werden durfte. Der Tabakrauch verbreitete sich durch den ganzen Raum und kroch sogar in die Kleidung. Genauso verhalten sich Aerosole, in denen Coronaviren stecken. Besonders kritisch sind hier Räume zu beachten, die nur durch Fenster belüftet werden.

CO2-Messung

Die Schwierigkeit für viele Gastronomiebetriebe: Moderne Lüftungstechnik in einem alten fenstergelüfteten Gastraum nachzurüsten, ist kein realistischer Ansatz. Häufig ist das baulich nicht möglich oder mit hohen Kosten verbunden.

Für solche Räume empfiehlt sich der Einsatz von CO2-Messgeräten. Das sind einfache Geräte, die nicht viel kosten. Da sich ausgeatmetes CO2 ähnlich ausbreitet wie Aerosole, geben CO2-Messwerte einen guten Anhaltspunkt dafür, wie hoch die Konzentration an Aerosolen im Raum ist. Denn gerade in verwinkelten Räumen gibt es sehr große Unterschiede in der Aerosolkonzentration.

Es gibt momentan keine Aussage über Grenzwerte für eine gefährliche Konzentration. Klar ist allerdings, wenn der Anteil von CO2 im Raum steigt, sollten die Fenster weit geöffnet werden, und zwar mindestens alle 20 Minuten für mehrere Minuten. Nur so kann belastete Luft ausreichend gegen frische Luft ausgetauscht werden. Die Messgeräte sind wichtig, weil Menschen sich von kalter Luft täuschen lassen. Nur weil es kalt im Raum wird, bedeutet das nicht, dass die alte Luft ausreichend ersetzt wurde.

Mobile Umluftfilteranlagen

Ergänzend zum Lüften können Umluftfilteranlagen eingesetzt werden. Aktuelle Studien belegen, dass sie die Aerosole in der Raumluft erheblich verringern. Die CO2-Konzentration wird jedoch durch Umluftfilter nicht verändert, denn sie reinigen die Luft und führen sie dann direkt wieder dem Raum zu, ohne dass Frischluft beigemengt wird. Eine Lüftung über Fenster oder Zuluft über ein Lüftungssystem ist also zusätzlich erforderlich.  Für die Wirksamkeit sind vor allem die Leistungsfähigkeit der Geräte sowie die Anzahl und die Position im Raum relevant. Keine Aerosole und damit kein Risiko wird es aber auch damit nicht geben.

Wirkungsgrad

Der Wirkungsgrad der Filter muss hoch genug sein. Die meisten Geräte verwenden zwar mittlerweile einen HEPA-Filter, der über einen Wirkungsgrad von mindestens 99 % verfügt. Doch diese Filterklasse wird mit größeren Partikeln getestet und ist nicht aussagekräftig für Viren oder Bakterien. Um auch bei Aerosolen einen hohen Filtergrad zu erreichen, können reguläre HEPA-Filter mit einem zusätzlichen Karbonfilter kombiniert werden oder es werden herstellereigene Filterkombinationen verwendet.

Leistung

Die Luftreiniger-Leistung muss an die Raumgröße angepasst sein. Um einen vernünftigen Infektionsschutz zu bieten, sollte der für den gewählten Raum verwendete Luftreiniger in der Lage sein, die Raumluft mindestens zwei bis drei Mal pro Stunde komplett zu säubern. Mit der Luftdurchsatzrate pro Stunde lässt sich die erforderliche Luftumwälzungsleistung eines Luftreinigers ausdrücken. Auf den Herstellerangaben finden sich in der Regel gleich direkt die Angaben zur maximalen empfohlenen Raumgröße für den jeweiligen Luftreiniger, so dass man den erforderlichen Wert nicht erst selbst berechnen muss.

Lautstärke

Die Geräuschentwicklung durch die Geräte sollte nicht zu groß sein. Gerade wenn Luftreiniger viele Stunden pro Tag laufen, ist eine geringe Geräuschentwicklung wichtig. Hochwertige Luftfilteranlagen sind gut gedämpft und mit flüsterleisen Lüftern ausgestattet, damit sie auch im Dauerbetrieb niemanden stören.

Moderne Lüftungsanlage

Anders als Umluftfilter bringen Lüftungsanlagen Frischluft in den Raum und verdünnen so die Aerosolkonzentration. Belastete Luft wird aus dem Raum abtransportiert und gegen frische Luft ausgetauscht. Es gibt verschiedene Methoden, die unterschiedlich gut funktionieren: Bei einer klassischen Mischlüftung werden die Aerosole mit Frischluft verdünnt. Die Frischluftzufuhr wird bei diesem Verfahren meist an der Decke eingebracht. Wirksamer, aber bisher seltener eingesetzt, ist die Schichtlüftung. Dabei wird die Zuluft am Boden eingeblasen. Es entsteht ein regelrechter Frischluftsee. Diese Luft strömt dann langsam nach oben. An der Decke sammelt sich die warme, verunreinigte Luft, wo sie abgesaugt wird. Das ist die effektivste Art der Belüftung, weil die Menschen sich dabei generell in sehr sauberer Frischluft aufhalten.

Förderung durch den Bund

Weil frische Luft der beste Schutz gegen Corona ist, steckt der Bund bis zu 500 Millionen Euro in die Verbesserung von Belüftungssystemen. Die zugehörige Förderrichtlinie ist am 20. Oktober 2020 in Kraft getreten. Diese staatlichen Gelder gibt es allerdings nur für die Um- und Aufrüstung bestehender Raumluftanlagen zum Beispiel mit Filtern, die die Luft so verbessern, dass das Ansteckungsrisiko sinkt.

Dem Bundeswirtschaftsministerium ist wichtig, dass schnell nachgerüstet wird. Umrüstungen bestehender Anlagen sind weniger zeit- und planungsintensiv als der Einbau neuer Anlagen. Deshalb gibt es bisher keine Förderung von Neuanlagen. Zur förderfähigen Umrüstung zählen jedoch auch CO2-Sensoren, die anzeigen, wann die Luft in einem Raum verbraucht ist. Gefördert wird außerdem die Erstellung von Lüftungskonzepten.

Resümee

In der kalten Jahreszeit müssen wir uns in der Gastronomie zusätzlich zu den bekannten Maßnahmen wie Abstand halten, Händewaschen und Maske tragen auch noch an neue Lüftungsregeln gewöhnen. Luftreinigung und Frischluftzufuhr sind extrem wichtig.

Wenn moderne Lüftungstechnik aus baulichen Gründen oder aufgrund der Kosten nicht nachgerüstet werden kann, sind mobile Luftfilteranlagen eine mögliche Lösung. Dabei sind auch Fördermöglichkeiten und staatliche Zuschüsse zu prüfen. Der Rat verschiedener Anbieter sollte eingeholt werden.

Autor: Manfred Troike

Inhaber von LEINENLOS, Blog über Menschen, Ideen und Trends in der Gastronomie. Mich faszinieren die Abläufe in Gastronomiebetrieben, die Schnittstelle zwischen Gast und Personal. Es ist der Kontakt mit sehr unterschiedlichen Menschen, der mich jeden  Tag wieder neugierig macht.

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